Baugewerbliche Berufsschule Zürich

Das Kompetenzzentrum der Baubranche

Wir bauen Welten

Wie ist es wirklich auf dem Bau zu arbeiten? Und was hat die BBZ damit zu tun? Sechs ganz persönliche Geschichten aus der Praxis.

Diogo Andrade, Lernender Sanitärinstallateur

«Du gehst auf den Prime Tower, da gibt es noch viel zu tun.» Der Mund von Diogo formt sich zu einem Lächeln, wenn er vom ersten Tag in seinem Lehrbetrieb erzählt. Zwei Jahre ist es nun her, als ihn sein Chef zu einer ganz speziellen Baustelle in Zürich-West schickte. Im urbanen Herzen der Stadt entstand zu dieser Zeit das bis anhin höchste Gebäude der Schweiz, der Prime Tower. Heute ist das Hochhaus aus dem Stadtbild von Zürich nicht mehr wegzudenken, dem ehemaligen Industriegebiet Zürich-West gibt der Prime Tower ein unverwechselbares Gesicht. 

Als Lernender Sanitärinstallateur sorgt Diogo dafür, dass Menschen jederzeit sauberes Trinkwasser und ein Bad geniessen können. «Die Arbeit ist extrem abwechslungsreich und wir Sanitäre sind oft von Anfang bis zum Ende auf der Baustelle. Es ist faszinierend zu sehen, wie ein Bauwerk entsteht.» Im Falle des Prime Towers hatten Diogo und sein Team mit speziellen Herausforderungen zu kämpfen. So mussten sie etwa auf halber Höhe des Gebäudes einen Apparat installieren, der einen konstanten Druck des Netzwassers garantiert. Entschädigt wurde Diogo mit einer einmaligen Rundumsicht über die Stadt; besonders gerne erinnert er sich an die Mittagspausen, die er mit seinen Kollegen oft auf dem Dach des Prime Towers verbrachte. «Dort oben, hoch über Zürich, schien die Zeit manchmal still zu stehen.»

Einmal pro Woche tauscht Diogo Arbeitskleider und Werkzeuge gegen T-Shirt, Jeans und Kugelschreiber. An der BBZ holt er sich das theoretische Rüstzeug für seinen Job. Auch wenn ihn nicht immer alles interessiert, geht Diogo gerne zur Schule. Sein Lehrer ist streng, weiss aber auch, wenn es Zeit für ein Spässchen ist. Das Allerbeste seien aber die Mitschüler, die er an der BBZ kennengelernt hat. «Meine Klasse ist wie eine Familie für mich.»


Jeannine Brütsch, Lernende Gebäudetechnikplanerin Heizung

«Nur wenn Prüfungen anstehen, gehe ich nicht ganz so gerne in die BBZ wie sonst» sagt Jeannine augenzwinkernd zu ihrem Schulalltag. Ihre Klasse besteht zu 50% aus Frauen, für die BBZ wünscht sie sich insgesamt jedoch mehr Frauen: «Das sorgt einfach für einen besseren Ausgleich», meint sie vielsagend und halb scherzend. Jeannine aber schätzt das angenehme Klima und den respektvollen Umgang der Lehrer mit den Lernenden sehr: «Ich habe immer das Gefühl, man begegnet uns Lernenden auf Augenhöhe und fördert uns dort, wo es Sinn macht.»

Ansonsten manövriert sich die 20-Jährige mit Freude durch Lehre und Schule. Das liegt sicher auch daran, dass sie während ihrer ganzen Ausbildung an einem einzigartigen Projekt mitarbeiten durfte. Der Cresta Park in Zürich Wollishofen ist eine verwinkelte Wohnanlage, energietechnisch eine Neuheit und als Projekt für eine Lernende im 1. Lehrjahr äusserst spannend und lehrreich. Seit ihr Chef sie zum ersten Mal eher zufälligerweise etwas an den Plänen umzeichnen liess, gehörte Jeannine fest zum Team. «Besonders gefallen hat mir, dass ich mein räumliches Vorstellungsvermögen hier einsetzten konnte und bei einem Projekt von A bis Z dabei zu sein: von der Besichtigung des Bodens bis zum Schlussapéro mit allen Architekten, Bauherren und Planern.»


Pascal Stucki, Haustechnikerplaner Lüftung, HF Klima

Pascal Stucki ist noch keine 30 Jahre alt, doch als erfolgreicher Jungunternehmer steht er mit beiden Beinen fest im Leben.

«Ich war lange nicht der fleissigste Schüler» gibt er etwas verschmitzt zu. Seine Lehre als Haustechnikerplaner startete er, ohne genau zu wissen, was ihn in dem Beruf erwartete. Mit der Zeit aber packen ihn der Ehrgeiz und die Leidenschaft am Beruf. Nach der Lehre hängt er gleich eine Weiterbildung an der BBZ an. In seiner Diplomarbeit für die Weiterbildung an der HF Klima beschäftigt er sich mit einem Klimakonzept für den grossen Konzertsaal der ZHdK im Toni-Areal. Seine Dozenten an der HF begleiten das Projekt – und erkennen sogleich das Erfolgspotenzial der Arbeit: Sein Konzept wird von den verantwortlichen Architekten und Planern des Toni-Areals übernommen. Damit beginnt die Erfolgsgeschichte seines Unternehmens Klinova Gebäudetechnik GmbH, das er noch während der Arbeit an der Diplomarbeit gründete: Die Projektplanung Klima für den grossen Konzertsaal war einer der ersten Aufträge, den seine junge Firma für sich gewinnen konnte. 

Trotz seines sehr ausgelasteten Berufslebens als Geschäftsführer einer Firma mit 15 Angestellten hat Pascal im Sommersemester 2016 begonnen, an der HF Klima zu dozieren. Er will sein Wissen weitergeben und junge Leute dazu motivieren, ihren Weg zu gehen, denn, davon ist er überzeugt, «Leidenschaft und Ehrgeiz lohnen sich immer. Wer was erreichen will, muss seinen Weg gehen.»

 

Danielle Grau, Lernende Metallbaukonstrukteurin

In ihrer Klasse ist sie das einzige Mädchen. Doch Danielle macht das nichts aus, im Gegenteil. «Man gewöhnt sich an alles», meint sie dazu selbstbewusst. Mit der gleichen Selbstverständlichkeit spricht sie auch über ihre Berufswahl. Sie macht ihre Lehre mit grosser Begeisterung. Am besten gefällt ihr an der Ausbildung, dass es dabei nie langweilig wird: jedes Projekt ist anders und bringt neue Herausforderungen.

Danielle arbeitet bei der Küssnachter Firma Metallplan. Beim Gewerbebau Mistral 14 der V-Zug war sie für die Planung der Türen verantwortlich. «Ich hatte ziemlich viel Verantwortung, dafür habe ich aber auch sehr viel gelernt. Ich bin froh, haben meine Vorgesetzten mir vertraut. So konnte ich jeweils auch meine eigenen Ideen einbringen. Der Austausch mit den Profis war sehr wertvoll!»

Zeichnen, Planen, Rechnen, Konstruieren – dass war schon immer ihr Ding. Ob sie einen technischen Beruf wählen würde, lag aber lange in den Sternen. Erst nach ein paar Schnuppertagen als Metallbaukonstrukteurin sprang der Funken über und sie entschied sich dafür, den gleichen Weg wie ihr Vater einzuschlagen. Doch Danielle hat den Blick bereits auf ihre Zukunft gerichtet: «Nach der Lehre will ich die Berufsmaturität nachholen und dann Ingenieurwissenschaften studieren.»

In der BBZ fühlt sich sehr wohl und vor allem gut betreut. Die Schule ergänzt die praktische Arbeit perfekt: «Besonders während stressigen Zeiten ist die Schule immer wieder eine willkommene Abwechslung», meint sie verschmitzt.


Enno Köppen, Architekt

Schon als kleiner Junge begleitete Enno Köppen seinen Vater gerne auf Baustellen. Jahre später entschied er sich dann auch für ein Architekturstudium, und bis heute fasziniert ihn die abwechslungsreiche Arbeit seines Berufs: «Als Architekt wird man mit so vielen Aspekten konfrontiert: vom Menschen, der in einem Gebäude wohnt oder arbeitet, bis hin zu Technik, Statik, Akustik und Physik.» Im Zentrum steht für ihn immer die Teamarbeit, denn «bei jedem Projekt lernt man Neues aus verschiedensten Fachrichtungen dazu.»

Neben seiner Leidenschaft für den Beruf begann er vor 25 Jahren, an der BBZ die Hochbauzeichner zu unterrichten. «Diese Kombination war immer eine sehr glückliche», meint er überzeugt: «Im Unterricht behandelten wir oft reale Projekt aus meinem Berufsalltag als Architekt. So konnten die Lernenden immer gleich nachvollziehen, welchen Einfluss ihre Arbeit hat.» Das ist auch der Aspekt, der ihn an seinem Beruf nach wie vor fasziniert: «Man hinterlässt seine Spuren und sieht das Resultat der Arbeit. An einem fertigen Gebäude vorbeizugehen, an dem man mitgewirkt hat, ist immer wieder ein tolles Gefühl!»

Beim Bau der AMAG Garage in Dübendorf hatte Enno Köppen die Gesamtverantwortung für das Projekt und hielt die Fäden eines 30-köpfigen Teams von Spezialisten zusammen. Immer wieder entstanden neue Bedürfnisse am Gebäude, so musste beispielsweise eine Elektrotankstelle hinzugebaut werden. «Egal wie gross oder klein das Projekt, man wächst mit dem Projekt. Das braucht manchmal Nerven und ein Grundgerüst aus Stahl» lacht er augenzwinkernd. Doch es sind mitunter diese Herausforderungen, die Enno auch nach 30 Jahren im Baugewerbe immer noch begeistert von seiner vielseitigen Arbeit sprechen lassen.


Irene Schuler Stäger, Schreinerin

Irene Schuler Stäger liebt ihren Beruf. Auch 25 Jahre nach der Lehre ist sie voller Begeisterung, wenn sie über den Schreinerberuf spricht. Angefangen hat alles an der Lehrwerkstätte für Möbelschreiner an der BBZ. Nachdem sie vergeblich eine Lehrstelle als Dekorationsgestalterin gesucht hatte und von einer Mitschülerin auf die Schreinerlehre aufmerksam wurde, bewarb sie sich erfolgreich – und hat diesen Entscheid seither kein einziges Mal bereut.

«Die Lehrzeit an der BBZ war einfach eine tolle Zeit. Unter begeisterten und begeisternden Berufsbildnern dieses Handwerk zu erlernen hat uns gut auf die Berufswelt vorbereitet.» Schon kurz nach dem Lehrabschluss liebäugelte Irene Schuler Stäger mit dem Gedanken, irgendwann an die BBZ zurückzukehren. Diese Tür tat sich später tatsächlich auf: 15 Jahre lang war sie an der LWZ als Berufsbildnerin angestellt, nur unterbrochen durch eine Weiterbildung an der HFTG zur Technikerin HF.

Heute ist sie im Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM für die Grundbildung im Schreinerberuf zuständig. «Mein Herz schlägt für das Handwerk – und den Nachwuchs. Eine gute Ausbildung sind wir unseren Jugendlichen schuldig.»

Als eine der schönsten Aufgaben der LWZ sieht sie die Rekonstruktionsarbeiten am Zunfthaus der Zunft zur Zimmerleuten. Nachdem das alte Zunfthaus 2007 abgebrannt war, sollte die aus Holz bestehende Innenausstattung originalgetrau nachgebaut werden. In heute selten gewordener Manier wurde das Gebäude in zeitaufwendiger Handarbeit wieder hergestellt. «Lernende in diesem Projekt eng zu begleiten war einfach fantastisch. Da weiss ich wieder, warum ich meinen Beruf so liebe: Die Arbeit mit Holz, einem Material, das lebt und sich ständig verändert, das je älter es ist umso schöner wird ­– Wohnräume aus diesem wunderbaren Material zu schaffen und damit ein einzigartiges Ambiente zu schaffen, ist einfach grossartig.»



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